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Das folgende Schreiben wurde an Foodwatch International als Antwort auf ihre Anfrage zur Herstellung und Ausfuhr von in der EU verbotenen Pestiziden durch Bayer gesendet.

 

Sehr geehrter Herr Bode,

 

vielen Dank für Ihren Brief zum Thema Pestizidvorschriften und die Frage, warum die Vorschriften von Land zu Land unterschiedlich sind. Das ist ein wichtiges Thema, dem mehr öffentliche Beachtung geschenkt werden sollte. Als Unternehmen haben wir erhebliche Investitionen in die Sicherheit unserer Produkte für Mensch und Umwelt getätigt. Wir danken Ihnen dafür, dass Sie dieses Thema zur Sprache bringen, und begrüßen die Gelegenheit, Ihnen unsere Arbeit auf diesem Gebiet vorstellen zu können.

 

In Ihrem Brief bringt foodwatch International über 200.000 Todesfälle mit der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln in Verbindung. Diese Zahlen scheinen auf Studien zu basieren, die vorsätzliche Selbstmorde in den 1980er-Jahren untersucht haben und nicht unbeabsichtigte Vergiftungen. Wir haben keine verlässlichen aktuellen Beweise oder Daten gefunden, die Ihre Behauptungen stützen 1  Wir teilen Ihre Ansicht, dass das gemeinsame Ziel darin besteht, dass niemandem durch die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln Schaden zugefügt wird. Sorgen wir also dafür, dass die Diskussion darüber, wie die Sicherheit am besten erhöht werden kann, nicht durch unfundierte Anschuldigungen belastet wird.

 

Unser Ziel besteht darin sicherzustellen, dass Landwirte dazu in der Lage sind, bezahlbare, nahrhafte, sichere und nachhaltige Lebensmittel zur Verfügung zu stellen – von den Feldern bis auf den Tisch, und zwar überall auf der Welt einschließlich der Schwellen- und Entwicklungsländer. 2 Auf dem Weg zu diesem Ziel stehen Landwirte häufig vor zahlreichen Herausforderungen. Dazu gehören extreme Wetterbedingungen, Insekten und Pflanzenkrankheiten. Pflanzenschutz ist für Landwirte ein wichtiges Mittel, um diese Herausforderungen zu meistern und genügend Nahrungsmittel auf den bestehenden Agrarflächen zu produzieren. Das vermindert den Druck auf umliegende Flächen und unterstützt die Artenvielfalt in diesen Gebieten.

 

Bekenntnis zu globalen Lösungen für unterschiedliche Bedingungen

 

Europäische Vorschriften, die sich ausschließlich an den für den Anbau in Europa relevanten Produkten orientieren, decken nicht alle Bedürfnisse nach Pflanzenschutz weltweit ab.

 

In Afrika stellt beispielsweise das Swollen Shoot Virus (SSV) eine ernste Bedrohung für die Existenz der Kakaobauern dar. 3 Zentralamerika und jedes Land, in dem Bananen angebaut werden, kämpft gegen TR4, 4 eine Krankheit, die durch den im Boden vorkommenden Pilz Fusarium oxysporum f. sp. cubense ausgelöst wird. In China und Mexiko zerstört das Citrus Greening 5 Orangenbäume, und in Brasilien müssen Landwirte den Pilz bekämpfen, der Asiatischen Sojabohnenrost auslöst. 6 Eine kürzlich in den tropischen Regionen Asiens durchgeführte Studie kam zu dem Schluss, dass jedes Jahr schätzungsweise zwischen 120 und 200 Millionen Tonnen an Reis Insekten und Krankheiten zum Opfer fallen. 7

 

All diese infektiösen Krankheiten existieren entweder in Europa gar nicht, oder sind dort nicht relevant. Dennoch brauchen Landwirte in aller Welt besondere Lösungen, um sie zu bekämpfen. Zwischen 40 und 90 Prozent ihrer Ernten könnten verloren gehen, wenn es keine wirksamen agronomischen und umweltfreundlichen Pflanzenschutzlösungen gäbe, die Schäden an ihren Kulturen abwenden können. Würden Sie dafür plädieren, dass man Landwirten in diesen Regionen den Zugang zu notwendigen Mitteln verweigert, nur weil für diese Produkte in Europa kein Bedarf besteht? Genauso gibt es auch viele Produkte, die in Europa aber sonst nirgendwo zugelassen sind. Sollte dann dieselbe Logik für Landwirte in Europa gelten?

 

Wir glauben, dass es unverantwortlich wäre, wenn man nur Produkte, die in Europa zugelassen sind, zum Einsatz außerhalb Europas zulassen würde (oder umgekehrt). Dies würde sich nachteilig auf die weltweite Versorgung mit Lebensmitteln und die Lebensbedingungen von Millionen von Landwirten in aller Welt auswirken.

 

Bekenntnis zu Sicherheit

 

Auch wenn wir unterschiedliche landwirtschaftliche Bedürfnisse rund um den Globus erfüllen müssen, wenden wir bei unseren Produkten weltweit einheitliche Sicherheitsstandards an. Selbst dann, wenn wir damit über lokale gesetzliche Bestimmungen hinausgehen. 2012 haben wir entschieden, den Verkauf von Produkten mit hoher akuter Toxizität für den Menschen (Klasse 1 der WHO) einzustellen und waren damit die ersten in unserer Branche. Seit 2016 haben wir uns dazu verpflichtet, ausschließlich Produkte zu vermarkten, deren Wirkstoffe mindestens in einem OECD-Land zugelassen sind. Bei neuen Wirkstoffen muss ein vollständiges OECD-Sicherheitsdatenpaket vorliegen. Dadurch hat sich unser Portfolio stark verändert. Ältere Wirkstoffe wurden konsequent durch innovative Lösungen ersetzt, die die oben genannten Kriterien erfüllen. Falls auf Ihrer Seite Interesse besteht, kann ich Ihnen das gerne näher erläutern.

 

Wir sind uns der Notwendigkeit sicherer Anwendungsmethoden zum Schutz der Landwirte und ihrer Umgebung bewusst und begrüßen die ständigen Verbesserungen und Innovationen auf diesem Gebiet. Bei den Anwendungshinweisen für unsere Produkte halten wir die höchsten Standards der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) 8 ein und engagieren uns anhand dieser Standards für verbesserte Kennzeichnungen. Wir bieten unsere Produkte nur in solchen Märkten an, in denen die nötige persönliche Schutzausrüstung angemessen und verfügbar ist.

 

Wir fördern auch den professionellen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. In Afrika unterstützen wir das Konzept der Spray Service Providers (SSPs) von CropLife Africa Middle East. Diese Landwirte sind dafür ausgebildet und zertifiziert wurden, Pflanzenschutzmittel sicher anzuwenden und gute landwirtschaftliche Praktiken voranzubringen. Das SSP-Konzept wurde bereits erfolgreich in 14 afrikanischen Ländern eingeführt, in denen über 12.000 professionelle SSPs im Einsatz sind. 9 Darüber hinaus arbeiten wir an Innovationen in der Spritztechnologie. In Asien, wo Kleinbauern traditionell auf Rückenspritzen setzen, arbeiten wir mit Anbietern von Drohnentechnologie zusammen 10 um eine präzisere Anwendung von Pflanzenschutzmitteln zu ermöglichen.

 

Im Einklang mit dem Verhaltenskodex der FAO 11  hat Bayer 2019 über eine Millionen Landwirte in aller Welt geschult und sich dabei auf Länder konzentriert, in denen Schutzmaßnahmen bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln oder eine Zertifizierung der Anwender im sicheren Umgang mit Pflanzenschutzmitteln nicht gesetzlich geregelt sind. Bayer führt auch Sicherheitsschulungen für seine eigenen Mitarbeiter und Fremdmitarbeiter durch, insbesondere für Außendienstmitarbeiter.

 

Bayer betreibt ein internationales Supply-Netzwerk, das weltweit einheitlichen hohen Standards gerecht wird. Deshalb sind wir davon überzeugt, dass es gerechtfertigt ist, Pflanzenschutzmittel, die in der Europäischen Union nicht zugelassen sind, innerhalb Europas zu produzieren, wenn die oben erläuterten Kriterien erfüllt werden und das importierende Land das Produkt für den Einsatz unter lokalen Bedingungen zugelassen hat.

 

Bekenntnis zu Transparenz

 

Behörden für die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln in aller Welt haben das Ziel, die menschliche Gesundheit und die Umwelt mithilfe von Risikobewertungen und Genehmigungen zu schützen. Dazu gehören Maßnahmen für die Sicherheit der Landwirte, die von den Regulierungsbehörden vorgegeben werden.

 

Bei unseren internen Sicherheitsbewertungen berücksichtigen wird stets die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse und wenden Kriterien an, die die verschiedenen agronomischen Bedingungen und landwirtschaftlichen Systeme widerspiegeln. Die Programme, auf die sich die Behörden bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln stützen, sind hinreichend anerkannt. Das gilt unter anderem für die Regulierungsbehörden folgender OECD-Länder:12 USA, Australien, Kanada, die EU, Japan, Südkorea, Neuseeland und Großbritannien.

 

Transparenz und Vertrauen sind jedem, der bei Bayer arbeitet, wichtig. 2019 haben wir unsere aktuellen Nachhaltigkeitsziele veröffentlicht, und 2017 waren unsere Wissenschaftler die ersten, die durch unsere transpareninitiative, 13 besseren Zugang zu sicherheitsrelevanten Informationen über unsere Produkte gewährt haben. Im Rahmen dieser Initiative werden die Sicherheitsstudien von Crop Science online veröffentlicht. Gestaltung, Durchführung und Dokumentation der Studien folgen international vereinbarten Richtlinien. Sie werden im Einklang mit internationalen wissenschaftlichen Standards durchgeführt, die als Gute Laborpraxis (Good Laboratory Practice, GLP) bekannt sind und Datenqualität, Integrität und Nachvollziehbarkeit der Studien garantieren.

 

Bekenntnis zur Nachhaltigkeit

 

Bayers Engagement in der nachhaltigen Landwirtschaft fußt auf der Verpflichtung, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Produktion und Schutz zu erreichen – kurz gesagt: Wie ernähren wir eine wachsende Weltbevölkerung, ohne unsere Erde dabei zu überfordern? Landwirte benötigen Unterstützung, und wir sind davon überzeugt, dass innovative, sichere und vielfältige Instrumente ihnen dabei helfen können, trotz Schädlingen, Unkrautbefall und Dürren genügend Nahrungsmittel auf nachhaltige Art und Weise anzubauen. 14

 

Im vergangenen Jahr haben wir zahlreiche Gespräche mit Behörden, Landwirten, Wissenschaftlern, Partnern und anderen Mitgliedern der Zivilgesellschaft geführt, um zu diskutieren, wo wir unseren Planeten an seine Grenzen bringen und in welchen Bereichen die Landwirtschaft als Teil der Lösung global etwas bewirken kann. Das Ergebnis sind eine Reihe von Zusagen, unter anderem: 15

  • Wir werden die Umweltauswirkungen von Pflanzenschutzmitteln bis 2030 um 30 Prozent verringern. Dazu entwickeln wir neue Technologien, mit denen Landwirte die Menge der benötigten Pflanzenschutzmittel reduzieren und diese präziser einsetzen können. 
  • Gemeinsam mit Landwirten und Kunden arbeitet Bayer darauf hin, den Treibgasausstoß der wichtigsten Nutzpflanzen wie Soja und Mais in unseren wichtigsten Absatzregionen bis 2030 um 30 Prozent zu senken. Außerdem wollen wir unsere eigenen Betriebsabläufe bis 2030 CO2-neutral gestalten. 
  • Wir wollen 100 Millionen Kleinbauern in Ländern mit geringem und mittlerem Einkommensniveau unterstützen, indem wir den Zugang zu landwirtschaftlichem Know-how sowie zu Produkten und Dienstleistungen verbessern.  
  • Wir werden ausschließlich Produkte vermarkten, die die umfassenden Sicherheits- und Zulassungsstandards einer Mehrheit der Länder erfüllen, in denen eine Zulassung angestrebt wird.

 

Bekenntnis zur Zusammenarbeit

 

Um ein widerstandsfähigeres und nachhaltigeres Ernährungssystem zu entwickeln, brauchen wir ein abgestimmtes, gemeinsames Vorgehen auf globaler Ebene. Kein Unternehmen, keine Organisation und keine Regierung kann das im Alleingang schaffen. Grundlegend ist dabei, dass wir Landwirten mit Lösungen zur Seite stehen, die auf ihre besonderen Herausforderungen auf lokaler Ebene zugeschnitten sind. Das wird nur möglich sein, wenn wir verschiedene und engagierte Stimmen mit an den Tisch holen.

 

Bayer arbeitet weiterhin konstruktiv mit Landwirten, Akteuren entlang der Lebensmittelkette, NGOs und Regierungen zusammen, um innovative Lösungen zu entwickeln, die die Lebensmittelversorgung sicher und zuverlässig machen, damit die Bedürfnisse der Verbraucher in punkto Ernährung erfüllt werden können.

 

Zu den aktuellen Beispielen dafür gehören die Partnerschaften zwischen Bayer und dem Inter-American Institute for Cooperation on Agriculture, der NGO Solidaridad, anderen einflussreichen Organisationen, Industrieverbänden, Vertretern von Universitäten und dem Privatsektor, die dafür sorgen sollen, dass uns die Banane, ein wichtiges Grundnahrungsmittel in vielen Regionen, als kommerzielles Produkt erhalten bleibt. Wir arbeiten auch mit internationalen Partnern und Entwicklungsorganisationen zusammen, um Mittel und Wege zur Bekämpfung der aktuellen Heuschreckenplage in Afrika und im Nahen Osten zu finden.

 

Abgesehen von der direkten Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Partnern zur Weiterentwicklung unserer Nachhaltigkeitsziele laden wir auch weltweit anerkannte Experten und Stakeholder dazu ein, im Bayer Sustainability Council mitzuwirken und uns so dabei zu unterstützen, unsere Nachhaltigkeits- und Geschäftsziele noch besser in Einklang zu bringen. Wir informieren Sie sehr gerne über den Fortschritt unserer Maßnahmen in diesen Bereichen.

 

Die Wissenschaftler und Mitarbeiter von Bayer verbessern seit Generationen die Lebensbedingungen für Familien und Gemeinschaften. Bayer ist und bleibt ein Ort für Menschen, die hohe Standards setzen und innovative, nachhaltigere Lösungen für die Landwirtschaft entwickeln wollen.

 

So wie wir bereit sind, die dringlichsten Herausforderungen unseres Planeten anzugehen, stellen wir uns auch jeglichen Fragen, Bedenken und Chancen zur Zusammenarbeit an innovativen Lösungen. In diesem Sinne laden wir Sie und Ihre Organisation dazu ein, Ihre Ideen zur Lösung miteinander zusammenhängender Herausforderungen mit uns zu diskutieren: Wie bringen wir Nahrungsmittel vom Feld auf den Tisch? Wie können wir genügend bezahlbare, nahrhafte und sichere Lebensmittel für alle Menschen, ganz gleich wo auf der Welt sie zu Hause sind, produzieren? Wie stärken wir widerstandsfähige Lebensmittelsysteme und wie fördern wir nachhaltige Landwirtschaft und respektieren gleichzeitig die natürlichen Grenzen unserer Erde in Schwellen- und Entwicklungsländern rund um den Globus?

 

Wir freuen uns auf einen kontinuierlichen Dialog über diese wichtigen Themen.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Liam Condon

Leiter der Division Crop Science 

 

Matthias Berninger

Leiter Public Affairs & Sustainability

 


 

1  https://twitter.com/MartinMay678/status/1251158460911124484

2 https://media.bayer.com/baynews/baynews.nsf/id/Bayer-committed-to-shaping-a-more-sustainable-food-system

3 https://www.worldcocoafoundation.org/blog/new-frontiers-in-the-fight-against-deadly-cocoa-disease/

4 http://www.fao.org/world-banana-forum/fusariumtr4/en/

5 https://www.aphis.usda.gov/aphis/ourfocus/planthealth/plant-pest-and-disease-programs/pests-and-diseases/citrus/citrus-greening

6 https://www.aphis.usda.gov/aphis/ourfocus/planthealth/plant-pest-and-disease-programs/pests-and-diseases/plant-disease/sa_soy_bean_rust/ct_soybean_rust

7 Savary, S., et al. 2000. Rice pest constraints in tropical Asia: quantification of yield losses due to rice pests in a range of production situations. Pl. Disease. 84 [3]: 357-369.

8 FAO Guidelines on Good Labeling Practices and the GHS.

9 https://croplifeafrica.org/our-work/crop-protection/stewardship/spray-service-provider/

10 https://media.bayer.com/baynews/baynews.nsf/id/Bayer-XAG-collaborate-bring-digital-farming-technology-smallholder-farmers-Southeast-Asia-Pakistan

11 http://www.fao.org/agriculture/crops/thematic-sitemap/theme/pests/code/en/

12 https://www.oecd.org/about/members-and-partners/

13 https://www.cropscience-transparency.bayer.com/en

14 https://croplife.org/wp-content/uploads/2018/11/Phillips-McDougall-Evolution-of-the-Crop-Protection-Industry-since-1960-FINAL.pdf

15 https://www.bayer.com/en/our-commitments-on-transparency-sustainability-and-engagement.aspx