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Bob Reiter
Wie Daten für bessere Ernten sorgen

Seitdem ich die Forschung und Entwicklung der Division Crop Science bei Bayer leite, besuche ich unsere F&E-Einrichtungen auf der ganzen Welt. Es bereitet mir viel Freude, die unterschiedlichen Teams kennenzulernen und zu erfahren, an welchen landwirtschaftlichen Innovationen die einzelnen Standorte gerade arbeiten. 

 

Der einzige Nachteil: Monatelanges Reisen bedeutet viele Nächte im Hotel.

 

Ob ich nun aus geschäftlichen oder privaten Gründen reise, ich versuche immer, das Hotel zu finden, das meinen Ansprüchen am besten gerecht wird. Eine zentrale Lage und angemessene Preise sind wichtig, aber ich wünsche mir auch Zugang zu einem Fitnessstudio und gute, fußläufig erreichbare Restaurants. Ich könnte zwar Hotel-Websites einzeln durchsuchen, um zu sehen, ob sie meine Anforderungen erfüllen. Wesentlich effizienter ist es aber, ein Reiseportal zu nutzen, auf dem Informationen und Gästebewertungen zu mehreren Hotels zentral abgerufen werden können. Auf die Daten und Erfahrungen vieler anderer Reisender zurückgreifen zu können, hilft mir persönlich, zu einer fundierten Entscheidung zu gelangen.

 

Diese Idee des Daten-Crowdsourcing kann auch Landwirten helfen.

 

Landwirte sammeln seit Jahrhunderten Daten über ihre Betriebe, zuerst auf Papier und mittlerweile in Tabellen auf dem Computer. Sie erfassen Details, z. B. darüber, wann sie welche Saatgutsorten gepflanzt haben, wie oft sie wie viel von jedem einzelnen Pflanzenschutzmittel angewendet haben, wie viel Niederschlag auf ihren Feldern gefallen ist und wie groß der Ertrag pro Hektar war. Das Problem ist, dass es für Landwirte bisher nie eine gute Möglichkeit gab, all diese Daten zu analysieren. Die Daten für sich haben jedoch wenig Wert, solange sie uns nicht helfen, gute Entscheidungen zu treffen.

 

Als ich vor Kurzem die Zentrale von The Climate Corporation besucht habe, einem Tochterunternehmen von Bayer mit Sitz in San Francisco, habe ich mehr darüber erfahren, wie die moderne Agrartechnologie diesen Wert endlich (zumindest teilweise) erschließen kann. 

 

Heutzutage können Landwirte digitale Tools wie Climate FieldView™ einsetzen, die alle Daten von Sensoren, Satelliten und Feldgeräten nahtlos erfassen und mit öffentlich zugänglichen Informationen zum Wetter, zu Bodenarten, zur Topografie usw. zusammenführen. FieldView kann mehrere Datenreihen zusammenfassen und mit verschiedenen Algorithmen filtern. So hilft die Plattform Landwirten dabei zu entscheiden, welche Produkte sie in welcher Menge an welchem Ort und zu welcher Zeit während der Saison verwenden sollten.

 

Beispielsweise kann ein Landwirt herausfinden, welche Hybridpflanzen am besten für Felder mit sandigem Boden geeignet sind und auf Grundlage derselben Datenreihe analysieren, welche anderen Wachstumsbedingungen bei den ertragreichsten Pflanzen gegeben waren. Mit FieldView können Daten auch im Hinblick auf eine effizientere Nutzung von Stickstoffdünger analysiert und damit Treibhausgasemissionen und Wasserabfluss im Feld vermindert werden. All diese Daten werden in einfach verständlichen digitalen Karten und Diagrammen visualisiert, auf die der Landwirt jederzeit und überall mit einem Smartphone oder Tablet zugreifen kann. 

Bob Reiter und Jim Swanson besuchten im Oktober Kollegen und Kolleginnen bei The Climate Corporation in San Francisco und tauschten sich zu Ideen für weitere landwirtschaftliche Innovationen aus.
Bob Reiter und Jim Swanson besuchten im Oktober Kollegen und Kolleginnen bei The Climate Corporation in San Francisco und tauschten sich zu Ideen für weitere landwirtschaftliche Innovationen aus.
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Doch die effektive und sichere Erfassung von Daten will gelernt sein, und zwar ungeachtet der Branche.

 

Eine Herausforderung besteht zum Beispiel darin, Landwirten die Maxime „Je mehr, desto besser“ nahezubringen. Umfangreiche Datenreihen, die aus mehreren relevanten Quellen gespeist werden, sind nützlicher, wenn sie in Kombination mit anderen verwendet werden. Kleinere Datenreihen sind statistisch nicht so genau, d. h. sie sind bei der Entscheidungsfindung weniger hilfreich. Wie können wir Landwirten vermitteln, dass mit Zehntausenden von Daten sehr viel mehr bewegt werden kann als mit einzelnen Daten? 

 

Einige Kollegen ziehen das Beispiel der Digitalkamera heran, um dieses Konzept zu veranschaulichen. Als die erste Digitalkamera auf den Markt kam, erfasste sie weniger als ein Megapixel pro Bild. Heutzutage erfassen die meisten Smartphone-Kameras um die 12 Megapixel. Wenn Sie Ihre erste Digitalkamera mit dem Gerät vergleichen, das Sie heute für Fotos nutzen, ist der Unterschied offensichtlich: Die Bilder, die Sie früher gemacht haben, waren möglicherweise zu unscharf, um überhaupt gedruckt werden zu können. Dagegen könnten Sie von den Bildern, die Sie mit Ihrem aktuellen Smartphone aufnehmen, vermutlich wunderbare Abzüge in Postergröße machen. Jedes Pixel enthält Daten, und mehr Daten ermöglichen schärfere Bilder. Bei FieldView ist es dasselbe: Mit jedem zur FieldView-Datenbank hinzugefügten Hektar werden die prädiktiven Algorithmen von Climate besser – und das bedeutet bessere Einblicke und Erkenntnisse für alle Landwirte.

 

Eine weitere Herausforderung ist der Datenschutz. Unternehmen, die Landwirte bei der Datenerfassung unterstützen, müssen respektieren, dass die Daten Eigentum der Landwirte sind, die sie bereitstellen. The Climate Corporation ist seit der Einführung von FieldView in den USA im Jahr 2015 an eine strenge Datenschutzrichtlinie gebunden. Bayer hat sich ebenfalls dazu verpflichtet, die Daten der Kunden niemals ohne deren ausdrückliche Einwilligung zu verwenden. Die Kunden haben also die Kontrolle über die von ihnen bereitgestellten Daten sowie das Recht, jederzeit deren Löschung zu verlangen

 

Wenn die Branche diesen Anforderungen gerecht wird, werden Daten für bessere Ernten sorgen, daran habe ich keinen Zweifel. 

 

Data Science eröffnet Landwirten neue Einblicke in ihre Felder und bietet ihnen damit die Möglichkeit, Pflanzenwachstum und Ertrag zu optimieren. Das bedeutet, dass Landwirte effizienter und nachhaltiger als je zuvor Nahrungsgüter für eine wachsende Weltbevölkerung produzieren können – und davon profitieren wir alle.