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Farm Manager in Soybean Field

Die Zukunft der Landwirtschaft ist heute (zumindest vorläufig)

Was ich an Landwirten liebe, ist unter anderem ihre verblüffende Fähigkeit, über die Grenzen der neuesten Technologie hinaus zu denken. Als jemand, der in einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen ist und auch heute noch landwirtschaftlich tätig ist, sind die Worte „Großartig! Aber wie geht es weiter?" aus dem Mund eines Landwirts sowohl ein Kompliment als auch eine Herausforderung - und besser geht es eigentlich nicht. Das liegt daran, dass die meisten Landwirte erkennen, dass eine erfolgreiche Ernte nur ein jahreszeitlich bedingter Sieg in einer lebenslangen Aufgabe ist. Und wenn der eigene Lebensunterhalt auf dem Spiel steht, ist es in der heutigen Zeit nicht mehr gut genug, einfach nur gut genug zu sein.  

 

Man muss sich nur die vielen Variablen, mit denen Landwirte zu kämpfen haben, vor Augen halten: eine wachsende Bevölkerung, klimatisch bedingte Witterungsschwankungen, neuartige Schädlinge und Unkraut, knappe natürliche Ressourcen, schwankende Rohstoffmärkte und -preise, steigende regulatorische Anforderungen und eine besorgte Öffentlichkeit. Bei all dem wird von ihnen erwartet, dass sie genügend Nahrungsmittel, Brennstoffe und Fasern für unsere Gesellschaft liefern, und zwar sicher und nachhaltig. Es mag nostalgisch sein, sich landwirtschaftliche Betriebe als "Inseln der Ruhe" in einer Welt des Chaos vorzustellen. Meines Erachtens kann man jedoch mit Sicherheit sagen, dass die Landwirtschaft enger mit diesem strudelnden Wandel in Berührung kommt und stärker von ihm betroffen ist als die meisten anderen Branchen.

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Daher bin ich amüsiert, wenn ich höre, wie Menschen, die noch nie einen Hof betreten haben, eine Version der Landwirtschaft beschreiben, die direkt aus dem berühmten 1930 von Grant Wood geschaffenen Gemälde American Gothic zu stammen scheint, das ein strenges Paar mit Overall und Mistgabel darstellt. Ich genieße auch ihren Gesichtsausdruck, wenn ich erkläre, dass einige der modernsten heute verfügbaren Technologien hier im landwirtschaftlichen Betrieb angewendet werden. Von Indiana bis Indien haben Landwirte auf der ganzen Welt einen unersättlichen Appetit auf Innovation, weil sie wissen, dass kreativer Einfallsreichtum ihre beste Überlebenschance in einer Welt bedeutet, die im ständigen Wandel ist.

 

An der Spitze der Innovationen in der heutigen Landwirtschaft steht die Digitalisierung. So wie die Verbraucher die Annehmlichkeiten von persönlichen Assistenten wie Alexa von Amazon oder Google Home und Smartwatches schätzen, so verlassen sich auch die Landwirte zunehmend auf digitale Technologien, welche Millionen von Datenbytes analysieren und in wertvolle Erkenntnisse verwandeln können, die ihnen helfen, Entscheidungen in Echtzeit zu treffen. Was digitale Tools für Landwirte besonders attraktiv macht, ist ihre Vielseitigkeit. Da kein Betrieb dem anderen gleicht, kann eine Einheitslösung unmöglich die vielen Variablen berücksichtigen, die es auf den Feldern oder sogar innerhalb eines einzelnen Feldes gibt. Digitale Tools werden jedoch speziell für die Komplexität unserer Natur konzipiert und zugeschnitten.

 

Ferngesteuerte Sensoren, Satellitenbilder und Drohnen können Pflanzengesundheit, Bodenbedingungen, Temperatur, Stickstoffverwertung, Schädlingsbefall und vieles mehr überwachen. Noch vor fünf Jahren war die Idee der Nutzung von Drohnenbildern für die meisten Landwirte Science-Fiction. Doch heute werden sie auf zwei von zehn Acres (ca. 0,8 von 4 Hektar) in den USA eingesetzt - und diese Zahl wird voraussichtlich noch steigen. Goldman Sachs geht davon aus, dass der Agrarsektor in den nächsten 5 Jahren der zweitgrößte Nutzer von Drohnen weltweit sein wird.

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Das Schöne an der Digitalisierung ist, dass sie für alle landwirtschaftlichen Betriebe unabhängig von ihrer Größe funktionieren kann. Wie jede skalierbare Technologie werden auch Tools wie Drohnen immer kosteneffizienter und für kleinere Betriebe zugänglich. In Ghana ist das bereits der Fall. Hier ermöglichen Firmen wie AcquahMeyer Dronetech Kleinbauern, die sich Arbeitskräfte nicht leisten können, Drohnen zu mieten, mit denen sie ihre Ernten kostengünstig prüfen und behandeln können. Erst vor Kurzem ging Bayer eine Partnerschaft mit XAG ein, mit dem Ziel, die digitale Landwirtschaft und das punktuelle Spritzen mit Hilfe von Drohnen in Japan voranzubringen. Die Präzision der Drohnen ermöglicht eine Kontrolle der Tröpfchengröße, was eine höhere Sprühgenauigkeit und einen geringeren Wasser- und Pestizideinsatz bedeutet. Digitale Technologien wie diese helfen bei der Bewältigung von Japans Krise der Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln, die im Jahr 2018 auf ein Rekordtief von 37 % sank und bei der jährlich mehr als 83.000 Arbeiter den Landwirtschaftssektor verlassen.

 

Digitale Tools und Datenwissenschaft machen es möglich, Wissen und „Know-how“ von Landwirten auf eine bisher nie mögliche Art und Weise weiterzugeben. Und eines der besten Tools auf dem Markt ist das Mobiltelefon. Fast 70 Prozent aller Kleinbauern haben Mobiltelefone, was eine großartige Möglichkeit eröffnet, zeitnah relevante agronomische Daten zu übertragen. In dem sie auf ein sofort einsatzbereites Gerät mit nahezu universeller Verfügbarkeit setzen, können Landwirte das Wetter prüfen, Schädlingsbefall beurteilen, ein Produkt bestellen oder sogar eine Drohne bedienen - und das alles bequem von ihrem Telefon aus. Über The Climate Corporation (Bayers digitale ag-Plattform) unterstützen wir die Vernetzung von Landwirten in ländlichen Gebieten Indiens mit FarmRise™, einer kostenlosen digitalen Lösung, die es ermöglicht, Landwirten relevante agronomische Informationen und Ratschläge direkt an die Hand zu geben. Sie bietet auch eine Chat-Funktion, über die die Landwirte miteinander in Kontakt treten können, um Best Practices auszutauschen. Einer der größten Vorteile der digitalen Tools ist das Ökosystem, das es uns ermöglicht, den Landwirten zu helfen, nahtlos mit Daten aus mehreren Quellen, anstatt nur einer einzigen verbunden zu sein. Climate Corp hat zum Beispiel eine Partnerschaft mit CLAAS, die maschinengenerierte Erkenntnisse von landwirtschaftlichen Maschinen wie Ertragsberichte und -karten, durchschnittliche Getreidefeuchtigkeit sowie eine digitale Aufzeichnung des bestellten Feldes liefert. Kombiniert man diese Daten mit öffentlich zugänglichen Informationen wie Wetterberichten und fortschrittlichen KI-Tools von Climate Corp, erhält der Landwirt einen umfassenden Überblick, um fundiertere, nachhaltige Entscheidungen zu treffen, die ihm helfen, seine Produktivität zu steigern und Risiken zu reduzieren.

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Digitalisierung ist eine von vielen neuen technologischen Innovationen, die in der Landwirtschaft Einzug halten. Das sollte jedoch niemanden überraschen, der sich in der Landwirtschaft auskennt. Ich glaube, dass digitale Tools und die Datenwissenschaft die Landwirtschaft mehr verändern werden als alles, was ich in meinen letzten 35 Lebensjahren an Veränderung in der Landwirtschaft gesehen habe. Ich sehe meine Vater immer noch in der Nacht am Küchentisch sitzen und Entscheidungen über unseren Betrieb treffen - von der Voranpflanzung bis zur Nachernte. Eben die Entscheidungen, die jeder Landwirt vor ihm und jeder Landwirt nach ihm, mich eingeschlossen, jedes Jahr bedenken muss. Dank neuer digitaler Tools und datenwissenschaftlicher Anwendungen können wir unsere Entscheidungen präziser treffen als je zuvor.

 

Sie fragen sich, was die nächste große Sache in der Landwirtschaft sein wird.  Ich wette, wir werden nicht sehr lange darauf warten müssen.

 

 

Zu Brett Begemann

Brett Begemann ist Chief Operating Officer für die Abteilung Crop Science von Bayer, wo er sicherstellt, dass das Unternehmen erstklassige Lösungen und Dienstleistungen für Landwirte weltweit bereitstellt Als jemand, der in einem landwirtschaftlichen Betrieb aufwuchs und auch heute noch Landwirtschaft betreibt, ist er ein leidenschaftlicher Verfechter moderner Agrartechnologien, die dazu beitragen, mehr Nahrungsmittel mit weniger Land, Wasser und Energie zu produzieren. Folgen Sie ihm unter @BrettBegemann.